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"Der Vorleser" und "Inglourious Basterds": Harvey Weinstein hat angeblich deutsche Bundesländer betrogen
Von Björn Becher — 06.11.2017 um 10:47
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Der Skandal um Harvey Weinstein bringt nun noch eine weitere in der Branche bekannte, aber weitestgehend ignorierte Seite des Produzenten ans Licht der Öffentlichkeit. Und dabei könnte Deutschland eine besondere Rolle spielen....

The Weinstein Company

Über 80 Frauen haben Harvey Weinstein schon direkt verschiedener Formen der sexuellen Belästigung bezichtigt, rund ein Dutzend erklärten dabei, dass Weinstein sie im Zuge dessen zum Oralsex oder zum Geschlechtsverkehr gezwungen hat. Im Fokus des Skandals steht auch längst die Traumfabrik Hollywood selbst, denn viele Menschen räumten mittlerweile ein, dass sie von Weinsteins Treiben wussten, es ignorierten oder die Vorfälle herunterspielten.

Bekannt war Harvey Weinstein in Hollywood auch über Jahrzehnte als Zahlentrickser. Immer wieder beschwerten sich Regisseure und Produzenten, dass sie vereinbarte Beteiligungen an den Kinoeinnahmen ihres Films nicht oder nicht in voller Höhe bekommen haben, weil Weinstein den Gewinn runtergerechnet hat. Zu Klagen kam es selten, denn am Ende hatten alle Angst davor, auf Weinsteins berüchtigter Abschussliste zu landen und keinen Job mehr zu bekommen. Doch aufgrund des aktuellen Fokus auf Weinstein geht nun der deutsche Produzent Michael Simon de Normier an die Öffentlichkeit und wirft Weinstein vor, mit ebensolchen Zahlentricksereien Nordrhein-Westfalen betrogen zu haben.

1,5 Millionen Euro für "Der Vorleser"

Gegenüber dem Hollywood Reporter blickt Michael Simon de Normier auf die Geschehnisse rund um den in Deutschland von Harvey Weinstein produzierten „Der Vorleser“ zurück, an dem auch de Normier beteiligt war. Die Film- und Medienstiftung NRW stellte damals 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, damit Teile des Films in Nordrhein-Westfalen gedreht wurden. Bei dieser Finanzierung ist es üblich, dass das Geld zurückgezahlt wird, wenn der Film Gewinne einfährt. Obwohl „Der Vorleser“ erfolgreich war, soll Weinstein nur einen kleinen Teil zurückgezahlt haben, denn laut Rechnungen von Weinsteins Firma, die von einer renommierten Wirtschaftsprüfungsfirma bestätigt wurden, habe die Bestselleradaption mit Kate Winslet nicht genug eingenommen, um eine volle Rückzahlung zu rechtfertigen.

De Normier erklärte gegenüber dem Hollywood Reporter, dass er eigentlich im Rahmen der Produktion von „Der Vorleser“ eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben hat, sich aber nach der Welle an Vorwürfen gegen Weinstein entschieden hat, sich trotzdem zu äußern. Er habe zudem offizielle Beschwerde wegen der Vorgänge eingereicht. Diese richten sich aber nicht gegen Harvey Weinstein oder die Firma The Weinstein Company, sondern gegen die Führung der Film- und Medienstiftung NRW, weil diese keine Maßnahmen ergriffen habe, um das Geld einzutreiben.

Deutsche Filmemacher zahlen zurück!

Dass man Harvey Weinstein selbst in Deutschland noch wegen Betrug belangen kann, ist nämlich unwahrscheinlich, da die Sache verjährt sein dürfte. Nach den Ermittlungen des Hollywood Reporters zieht der Fall aber weitere Kreise: So rückt auch „Inglourious Basterds“ in den Fokus. Für den ebenfalls von Weinstein produzierten Film von Quentin Tarantino lieh das Medienboard Berlin-Brandenburg 600.000 Euro, damit Teile in Berlin-Babelsberg gedreht wurden. Laut dem Hollywood Reporter sei weniger als die Hälfte zurückgezahlt worden, obwohl der starbesetzte Kriegs-Actioner mit Brad Pitt zum Hit wurde. Weinstein rechnete ihn trotzdem irgendwie zum Flop um.

Dieses Gebaren wirft allgemein ein Licht auf die Förderung großer Hollywood-Produktionen in Deutschland. Auch deutsche Filme – der Hollywood Reporter nennt exemplarisch „Toni Erdmann“ - profitieren von diesen Leihen. Ob die Filme von Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer oder auch die „Fack Ju Göhte“-Reihe, die Filmstiftungen der Länder versuchen die Produktionen zu sich locken, um so die lokale Wirtschaft zu fördern, weswegen dann „What A Man“ oder „Schlussmacher“ zu großen Teilen in Hessen spielen. Allerdings wird bei diesen großen deutschen Erfolgen auch genau darauf geachtet, dass alles Geld wieder zurückgezahlt wird, teilweise diese Rückzahlung sogar öffentlichkeitswirksam inszeniert. Diese Ungleichbehandlung stößt natürlich auf Unverständnis, wenn deutsche Produktionsfirmen genau überprüft werden, sich die fernab in Hollywood sitzende Konkurrenz aber die Zahlen schönrechnen kann.

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Kommentare
  • Sentenza93

    "Zu Klagen kam es selten, denn am Ende hatten alle Angst davor, auf
    Weinsteins berüchtigter Abschussliste zu landen und keinen Job mehr zu
    bekommen."
    Ernsthaft? Der Typ ist doch nicht Gott. So langsam wird es lächerlich, dass niemand wegen dem das Maul aufmachte. Sei es sowas hier oder die Belästigungen/Vergewaltigungen.

  • Sentenza93

    Mir gehts eigentlich hauptsächlich darum, dass es bei der Menge an Leuten, die von dem belästigt und/oder beschissen wurden, wirklich KEINER jahrelang bzw. Jahrzehnte nix gesagt hat. So mächtig ist kein Weinstein, dass er das alles weggesteckt hätte. Vor allem sind da auch wirklich genug große Stars dabei, die sich um seine Gunst nicht mehr scheren müssten. Dass man sich ziert anfangs, versteh ich, aber ich warte doch nicht teilweise Jahrzehnte damit und fresse das in mich rein.

    Ich zähle mich, und ich spreche da NUR für mich erstmal, zu den Menschen...wenn mir einer Schaden zufügt, zeige ich ihn an. Auch wenn er oder sie nicht verurteilt wird. Ich würde mir ewig Vorwürfe machen, wenn derjenige anderen Leuten was tut, es nicht wenigstens versucht zu haben.

  • Darklight ..

    DAS ist eine ausgezeichnete Frage.
    Anthony Rapp hat ja schon 2001 Spaceys Verhalten angeklagt - nur hat die Zeitung sich nicht getraut, den Namen des Täters zu nennen...

    Wenn ich immer lese "Kevin Spacey hat sein Privatleben strikt von der Öffentlichkeit abgeschirmt..."
    Dann muß man doch kritisch werden, denkt man nur einmal kurz über die Unsinnigkeit dieser Aussage nach!

    Wie sehr wir durch solche Sätze von den Medien verarscht werden wird klar, wenn man die Person austauscht:
    Zum Beispiel "Lady Diana hat ihr späteres Privatleben strikt von der Öffentlichkeit abgeschirmt..."

    Macht man sich das kurz klar, wird der Satz sofort lächerlich!
    Mann KANN sein Leben nicht vor den Medien abschirmen!!!
    Schon gar nicht so weit, das so häufige sexuelle Belästigungen geheim bleiben könnten.
    Wenn so was "geheim" bleibt, dann liegt das an Beziehungen, Netzwerken und/oder einem gegenläufigen Interesse der Medien selbst...

    Was sagte doch die erste Zeitung, die den Bericht über Weinstein bringen sollte: Nicht publizierbar!
    DAS ist Zensur...

    Von daher ist Deine Frage sehr gut...

  • Darklight ..

    Ich finde das überhaupt nicht lächerlich!
    Warst Du jemals in einer Firma mit einem schlechten Chef beschäftigt?!
    Ich kenne verdammt viele Betriebe, wo so Klima der Angst herscht...

  • Sentenza93

    Ja, ich hab ihm die Kündigung ins Gesicht geknallt, ihm gesagt, dass er sich ins Knie f*cken soll und bin weg. Das ist kein Witz.

    Und vor allem, wessen Chef ist Weinstein denn? Von keinem einzigen Schauspieler. Sie arbeiten mal für ihn, aber nicht dauerhaft. Allein bei der Masse an Leuten, die dem JETZT ans Bein pissen, schon irgendwie verwunderlich.

  • Darklight ..

    Das ist Super!
    Und es ist gut, daß Du das kannst...

    Aber Du weißt leider zu wenig von der Macht und den Einflüssen, den solche Menschen gerade in der Filmbranche haben können. Auch wenn sie NICHT Dein direkter Chef sind...
    Das alte Studiosystem Hollywoods hat früher systematisch - besonders Kinderschauspieler und Frauen - ausgebeutet und unter Druck gesetzt..
    Das ist alles wunderbar dokumentiert - das hat sich mitnichten in den letzten Jahren so plötzlich völlig verändert...

  • Darklight ..

    Das widerspricht nicht dem, was ich meine...
    Und - er könnte es sicher nur schwer, wenn das Interesse der Medien an ihm extrem groß wäre.

  • Sentenza93

    Doch, natürlich. Über Hollywood's Geschichte informiere ich mich natürlich, bzw. lese so ziemlich alles.
    Mir geht es nur darum, in der heutigen Zeit, bei der Menge an Leuten, und einige wussten das ja anscheinend voneinander...was soll ein Weinstein tun, alle feuern?

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