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BlacKkKlansman
Kritik der falmouthhistoricalsociety.org-Redaktion
4,0
stark
BlacKkKlansman
Von
Der Ehrenoscarpreisträger Spike Lee („Do The Right Thing“) erzählt in „BlacKkKlansman“ eine unglaubliche, aber wahre Geschichte, die ursprünglich erst einmal von den Behörden unter den Teppich gekehrt wurde, bis ihr Protagonist selbst ein Buch über die Ereignisse geschrieben hat: In den 1970ern ist Ron Stallworth (hat die Starpower seines zweifach oscarprämierten Vaters Denzel geerbt: John David Washington) der erste schwarze Cop beim Polizeidepartment in Colorado Springs. Zunächst wird er undercover bei Veranstaltungen der Black-Power-Bewegung eingesetzt, aber dann ruft er aus einer Laune heraus einfach mal beim Ku-Klux-Klan an – und wird dort prompt aufgenommen.

Natürlich kann Ron die Rolle des weißen Rassisten nur am Telefon selbst spielen, weshalb sein jüdischer Kollege Flip (Adam Driver) den Part bei den Treffen vor Ort übernimmt – die passende Stimme, damit sich Ron in Person möglichst genauso anhört wie am Telefon, wird mit Hilfe von Szenen aus „Der Pate“ einstudiert. Während sich bei den Ermittlungen immer mehr Hinweise darauf ergeben, dass der örtliche KKK-Verbund womöglich einen terroristischen Anschlag plant, hat Ron bei einem seiner Telefonate mit David Duke (Topher Grace, „Die wilden Siebziger“) plötzlich den Grand Wizard des KKK höchstpersönlich in der Leitung…


In einer Szene von „BlacKkKlansman“ hält ein von Harry Belafonte verkörperter Bürgerrechtsaktivist in den 1970ern einen Vortrag vor schwarzen Collegestudenten, in dem er von einem Vorfall aus dem Jahr 1916 berichtet, als ein geistig behinderter schwarzer Teenager der Vergewaltigung an einer weißen Frau bezichtigt und von einem Mob gejagt, gefoltert und ermordet wurde. Fotos von den Gräueltaten wurden anschließend als Erinnerungspostkarten verkauft, damit man möglichst auch seinen Enkeln noch von diesem Tag erzählen kann.

Parallel dazu schneidet Lee einen Kinoabend des Ku-Klux-Klans. Gezeigt wird D.W. Griffiths ebenso bahnbrechendes wie rassistisches Stummfilmepos „Die Geburt einer Nation“ von 1915, das dem zwischenzeitlich in der Bedeutungslosigkeit versunkenen Klan erst wieder neuen Zulauf bescherte. Es wird fleißig Popcorn gemampft und als die KKK-Mitglieder auf der Leinwand einen schwarzen Vergewaltiger einfangen und töten, wird im Publikum gejubelt und gegrölt, als hätte das eigene Team gerade den Super Bowl gewonnen.

„Die Geburt einer Nation“ war bei seinem Kinostart ein absoluter Blockbuster, inflationsbereinigt hat er laut Schätzungen das Äquivalent von 1,8 Milliarden Dollar eingespielt (und das fast ausschließlich in den USA, damit liegt er sogar noch vor „Titanic“ und „Star Wars: Das Erwachen der Macht“). Dieser Erfolg hat auch damit zu tun, dass D.W. Griffith ebenso wie 25 Jahre später Veit Harlan bei seinem antisemitischen Machwerk „Jud Süß“ verstanden hat, dass man zuerst einmal einen handwerklich herausragenden Film machen muss, um dann auch seine Message transportieren zu können. (Deshalb erreichen heutige Propagandafilme nur noch selten eine breite Masse, weil sie meistens einfach auch schon qualitativ absoluter Schund sind.)

Aber diese Taktik funktioniert natürlich nicht nur, wenn es darum geht, Hass in den Menschen zu entfachen, sondern auch, wenn man einfach nur aufrütteln will – und so hat Lee nun mit „BlacKkKlansman“ einen Film gedreht, der in erster Linie erstaunlich gut unterhält. Bei der Pressevorführung beim Festival von Cannes wurde trotz der schweren Thematik jedenfalls nicht nur ziemlich oft, sondern auch ziemlich laut gelacht. Aber die vermeintlich locker-leichte Stimmung des Films ändert nichts daran, dass die Hiebe, die „Malcolm X“-Mastermind Lee nicht nur gegen das System der 1910er und 1970er, sondern zugleich immer auch gegen das aktuelle System austeilt, mit voller Kraft ihr Ziel erreichen.

Kurz vor der Premiere des Films gab es einen kleinen Twist auf Twitter, weil jemand „BlacKkKlansman“ als Buddy Comedy bezeichnet hatte, womit Lee offenbar so gar nicht einverstanden war – und tatsächlich wäre ein Vergleich mit „Nur 48 Stunden“, „Rush Hour“ & Co. nicht angebracht. Aber amüsant ist „BlacKkKlansman“ trotzdem – das geht schon mit einer vorangestellten Sequenz los, in der Alec Baldwin einen White-Supremacy-Kinospot dreht, sich dabei aber immer wieder verhaspelt. Wie er dann innerhalb eines Augenblicks immer wieder in und aus seiner Hasspredigerpose fällt, entlarvt die Perfidie der Propagandamaschinerie auf ebenso augenzwinkernde wie treffende Art.

Später sind es dann vor allem die KKK-Mitglieder selbst, die sich zur Belustigung des Publikums um Kopf und Kragen reden (wobei das Lachen dabei mehr als nur einmal im Halse stecken bleibt). So erklärt David Duke etwa voll inbrünstiger Überzeugung am Telefon, dass er jeden Schwarzen schon nach wenigen gesprochenen Sätzen definitiv als solchen erkennen würde, weil Schwarze etwa das Wort „are“ ganz anders aussprechen würden als Weiße. Am anderen Ende der Leitung lacht sich unterdessen Ron Stallworth ins schwarze Fäustchen. Diese Herangehensweise hat nur einen Nachteil: Sonderlich spannend ist „BlacKkKlansman“ nicht.

Dafür aber brandaktuell: Immer wieder fallen in den Reden und Tiraden der KKK-Mitglieder auch heute noch allseits bekannte und benutzte Parolen wie „America First“. David Duke hatte sich damals gerade erst vom Grand Wizard zum National Director umbenannt, wohl auch mit dem Ziel, zukünftig in der Politik mehr bewegen zu können – denn auch ohne offen rassistische Taten lässt sich viel gegen Schwarze bewegen, etwa durch Steuer-, Straf- oder Einwanderungsgesetze. Und vielleicht sitzt ja irgendwann sogar mal ein Präsident im Weißen Haus, der die Positionen des KKK teilt – eine Vorstellung, die Ron sofort als völlig unrealistisch abwiegelt. Das ist dann einer dieser Momente, wo einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Intellektuell liegen die Parallelen zur aktuellen Situation glasklar auf der Hand. Und trotzdem ist es dann noch mal ein ziemlich schwerer emotionaler Schlag in die Magengrube, wenn Lee am Schluss direkt zu neueren Dokumentaraufnahmen etwa von den Demonstrationen in Charlottesville inklusive der Reaktionen von Donald Trump und seinem großen Fan David Duke schneidet. Ein kraftvolles Schlussstatement, bei dem man ziemlich schlucken muss. Aber ein Funken Hoffnung bleibt: Mit Heather Heyer, die 2017 bei einer Anti-Rassismus-Demo von einem in die Menschenmasse gerasten Neo-Nazi getötet wurde, hat Lee seinen Film einer im Alter von 32 Jahren gestorbenen weißen Frau gewidmet.

Fazit: „BlacKkKlansman“ ist im Kern ein verdammt unterhaltsamer 70er-Jahre-Copfilm mit erstaunlich viel Humor – und gerade weil er das ist, treffen die Spitzen gegen das rassistische System der vergangenen hundert Jahre von der Veröffentlichung von „Geburt einer Nation“ 1915 bis zur Wahl von Donald Trump 2016 so besonders kraftvoll ihr Ziel.

Wir haben „BlacKkKlansman“ bei den Filmfestspielen in Cannes 2018 gesehen, wo er im Wettbewerb um die Goldene Palme gezeigt wurde.
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