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Steig. Nicht. Aus!
Kritik der falmouthhistoricalsociety.org-Redaktion
3,5
gut
Steig. Nicht. Aus!
Von
Produzent und Regisseur Christian Alvart liebt den Genrefilm. Nachdem sein Kinodebüt, der Serienkiller-Thriller „Antikörper“ (2005) auf zahlreichen Filmfestivals für Aufmerksamkeit sorgte, machte er einen längeren Ausflug nach Hollywood, wo er den Sci-Fi-Horror „Pandorum“ und den Psychothriller „Fall 39“ inszenierte, ehe er nach Deutschland zurückkehrte. Seither wechselt er zwischen Kinofilmen wie „Banklady“ oder „Halbe Brüder“ und Fernseharbeiten etwa für die „Tatort“-Reihe. In „Tschiller: Off Duty“ mit Til Schweiger brachte Alvart schließlich beides zusammen und drehte einen „Tatort“ fürs Kino. Die für deutsche Verhältnisse sehr aufwendige Produktion war jedoch ein Flop und lockte gerade einmal 280.000 Besucher in die Lichtspielhäuser. Nun versucht sich der Filmemacher mit Unterstützung des ZDF an einem weiteren Actionkracher: „Steig. Nicht. Aus!“ entpuppt sich als versiert inszenierter Erpressungsthriller, der zwar erzählerisch recht generisch ausfällt, aber trotzdem stets spannend bleibt.

So hatte sich der Berliner Bauunternehmer Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) seinen Hochzeitstag nicht vorgestellt. Nachdem er von einem Geschäftstermin früher als geplant schon morgens nach Hause kommt, ist seine Frau Simone (Christiane Paul) schon in Eile. Also packt Karl seine Kinder Josefine (Emily Kusche) und Marius (Carlo Thoma) ins Auto, um sie auf dem Weg ins Büro in der Schule abzusetzen. Unterwegs erhält er einen merkwürdigen Anruf: Ein Unbekannter droht damit, Karls Auto in die Luft zu sprengen, wenn sich jemand darin von seinem Sitz erhebt. Der Erpresser verlangt, dass Karl ihm eine halbe Million Euro auf ein Offshore-Konto überweist. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, sorgt der Mann für einen Zwischenfall, bei dem Marius auf der Rückbank verletzt wird. Für Karl beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit…



Nach einer missglückten Exposition in einem Flugzeug, bei der eine geheimnisvolle Unbekannte dem sichtbar gestressten Karl ein unmoralisches Angebot macht, nimmt „Steig. Nicht. Aus!“ – kaum dass Karl gelandet ist – schnell Fahrt auf. Dabei erweist sich die baldige Konzentration auf das Martyrium im eigenen Auto als cleverer Schachzug. Vor allem über die zahlreichen Telefonate, die Karl dort führt, kommen Stück für Stück die privaten und beruflichen Lebenslügen seiner nach außen perfekten bürgerlichen Existenz zum Vorschein. So erfährt er von seiner Tochter auf dem Rücksitz, dass seine Frau eine Affäre hat, und als es darum geht, ihm in der Not zu helfen, zeigen ihm seine Geschäftspartner, die sonst für jede windige Geldanlage zu haben sind, die kalte Schulter. Wotan Wilke Möhring („Happy Burnout“) macht die etwas reißbrettartig angelegte Hauptfigur mit viel Engagement zum Sympathieträger und Alvart, der auch das Drehbuch nach der Vorlage des spanischen Thrillers „Anrufer unbekannt“ von 2015 geschrieben hat, treibt die Handlung geradlinig voran, sodass gewisse Holprigkeiten und Plausibilitätsdefizite nicht zu stark ins Gewicht fallen.

Über weite Strecken ist „Steig. Nicht. Aus!“ solides Filmhandwerk, aber in seinen besten Momenten bietet er noch deutlich mehr. Der Actionthriller besticht vor allem durch zwei technisch aufwendige Plansequenzen, in denen Alvart und sein Kameramann Christoph Krauss („Manifesto“) ihr ganzes Können zur Geltung bringen. So wird Bombenentschärferin Pia Zach (Hannah Herzsprung) mit einer dreiminütigen Einstellung ohne Schnitt eingeführt, die sie quer über den Berliner Gendarmenmarkt und durch eine mobile Einsatzzentrale verfolgt, bis sich die Kamera von ihr löst und schließlich mit einer Totalen aus der Vogelperspektive einen Gesamtüberblick gibt. Noch ausgeklügelter und beeindruckender ist schließlich jene Einstellung, als Karl von der Polizei quer durch Berlins Innenstadt eskortiert wird. Die Kamera fährt erst um sein Auto herum, dann filmt sie von der Rückbank und schließlich durch die geöffnete Schiebetür eines Polizeitransporters auf der Nebenspur: Das erinnert für zwei brillante Minuten an Sebastian Schippers gefeiertes One-Shot-Experiment „Victoria“.

Fazit: Christian Alvarts sehenswerter Action-Thriller „Steig. Nicht. Aus!“ ist bis zum Schluss spannend und wendungsreich, da fallen die wenig profilierte Hauptfigur und einige wenig plausible Details nicht arg ins Gewicht.
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