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Whatever Happens
Kritik der falmouthhistoricalsociety.org-Redaktion
3,5
gut
Whatever Happens
Von
Larger than Life – bei vielen Filmen ist dies das unausgesprochene Motto, das alles bestimmt. Der Zuschauer soll überwältigt und beeindruckt werden mit Bildern und Geschichten, die es so nur im Kino gibt. Der Alltag darf währenddessen gern zwei Stunden freinehmen. Es gibt aber natürlich auch den entgegengesetzten Weg, wie ihn Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Niels Laupert mit seinem Film „Whatever Happens“ einschlägt, den er ganz bewusst nicht überhöht, sondern im Alltag verankert. Der Regisseur lässt seine Stars Fahri Yardim („Tatort“) und Sylvia Hoeks („Blade Runner 2049“) eine ganz normale Beziehung durchleben und fängt dabei ganz hinten an – bei der Trennung. Das gut geschriebene und gespielte Drama besticht insbesondere durch die Glaubwürdigkeit der Figuren und ihrer Probleme – „Whatever Happens“ hat den Zauber der Wiedererkennbarkeit.

Am Beginn steht das Ende: Fotograf Julian (Fahri Yardim) und Managerin Hannah (Sylvia Hoeks) haben sich getrennt und treffen sich ein letztes Mal in der gemeinsamen Wohnung, um sie für die Abnahme durch den Vermieter vorzubereiten. Genau in dieser Wohnung hatten sie sich sieben Jahre zuvor erstmals getroffen, als Hannah Julian bei einer offenen Besichtigung aufgefallen war. Er suchte sofort ihre Nähe, der Makler hielt die beiden durch Zufall für ein Paar und bot ihnen die Wohnung an. Diese Gelegenheit haben sie genutzt und sind, obwohl sie sich eigentlich gar nicht kannten, als WG zusammengezogen. Es kam, wie es kommen musste und sie verliebten sich ineinander. Doch nun stehen sie an Silvester in der fast leeren Wohnung und wissen beide nicht so recht, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll…


Es ist nicht der generische Romanzenplot, der bei „Whatever Happens“ so fesselt, sondern die Wahrhaftigkeit, mit der Laupert all die kleinen Momente einfängt, die für den Beginn und das Ende einer Liebe verantwortlich sind. Die ersten flüchtigen Berührungen. Das blinde Verständnis. Der Schmerz, wenn die Tochter kein Interesse an der Zuwendung der Mutter zeigt, obwohl die gerade einmal ausnahmsweise Zeit für sie hätte. Die Kamera ist dabei der Gradmesser: Zu Beginn tänzelt sie ständig um das Paar herum, ist intim nah dabei, wenn Julian und Hannah nicht voneinander lassen können. Später geht sie immer stärker auf Distanz: Mit dem Erkalten der Beziehung nimmt die Kamera zunehmend in die Position des neutralen Beobachters ein und liefert kühle Aufnahmen aus der Totalen. Dabei wird die Wohnung, in der alles angefangen hat und in der es nun auch enden soll, fast nie verlassen: Sie ist gleichsam die bröckelnde Festung einer Liebe.

Laupert kann sich auf die Strahlkraft und das Charisma seiner beiden Hauptdarsteller verlassen. Yardim und Hoeks erwecken ihre Figuren schnell zum Leben und wirken dabei immer wie reale Menschen – der wichtigste Baustein dafür, dass der Film so gut funktioniert. Denn der Zuschauer nimmt schnell Anteil am Leben der beiden, muss ohnmächtig zusehen, wie sich erste dunkle Wolken bilden und sich Julian und Hannah langsam voneinander entfernen. Und das geschieht ohne große Worte, hier reichen Blicke und Gesichtsausdrücke, um die ganze Geschichte zu erzählen. Von Julian, der viel lieber wieder die Rolling Stones fotografieren würde als den Abwasch zu machen. Und von Hannah, die so vielen Menschen hilft und doch viel lieber bei ihrer Tochter wäre. Die Echtheit dieser Figuren ist es, die den Film das gewisse Extra geben. Allerdings verlässt sich Regisseur Niels Laupert ein wenig zu sehr auf seine Protagonisten. Seine Inszenierung ist vor allem in der zweiten Filmhälfte etwas spröde, diese betonte Distanziertheit wäre hier allerdings gar nicht nötig, denn so wirkt das Ernsthafte der Geschichte zuweilen doch überbetont.

Fazit: „Whatever Happens“ ist ein exzellent gespieltes Liebesdrama mit vielen leisen Tönen, das präzise die Abnutzungserscheinungen des Alltags erfasst, aber auch das Besondere einer ganz normalen Romanze.
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